Der Junge im Rock

Der Junge im Rock, Kerstin Brichzin, Igor Kuprin

Felix ist anders, als die anderen Jungen. Nein, eigentlich hat er nur einen anderen Gechmack, was Kleidung betrifft. Und als die Familie umzieht, wird Felix‘ Kleidungsstil plötzlich zu einer Frage von richtig und falsch.

Kurzrezension

Felix leiht sich gerne Röcke und Kleider von seiner Schwester Ava. Die hat nichts dagegen, denn dafür darf sie sich ja seine Hosen leihen. Die Eltern haben damit kein Problem, sie kaufen Felix einen eigenen Rock, nur für sich. Der dreht sich ganz toll und schwingt und Felix fühlt sich wohl und frei darin.

Doch als die Familie in eine kleinere Stadt umzieht, sind Felix‘ Eltern plötzlich merkwürdig gehemmt. Sie möchten nicht, dass Felix seinen Rock in den neuen Kindergarten anzieht. Vielleicht, weil sie ahnen, dass die anderen Kinder ihn nicht verstehen werden.

Und tatsächlich: Als Felix endlich mit seinem Rock in den Kindergarten darf, da wenden sich seine neuen Freunde plötzlich von ihm ab. Sie lachen ihn aus und verspotten ihn. Sie finden, dass ein Junge keinen Rock tragen sollte, und schon gar nicht in Rot, denn Jungen tragen doch andere Farben. Und auch die anderen Eltern tuscheln und sagen gar, dass Felix‘ Eltern sich nicht richtig verhalten würden, weil sie ihren Jungen im Rock loslaufen lassen.

Felix wird plötzlich ausgeschlossen. Er weint, er versteht die Welt nicht mehr und er mag nicht mehr in den Kindergarten gehen. „Hilf mir“, bittet er Papa. Und Papa hilft. Papa kauft sich einen schönen langen Rock und marschiert tagelang mit Felix im Rock durch die Kleinstadt. Papa lacht über die Kommentare der Passanten. Selbstbewusst trägt er den Rock, auch, als er Felix eines Tages wieder in den Kindergarten bringt. Die anderen Kinder sind erstaunt: Ein Papa, der einen Rock trägt?

Doch Papa klärt die Kinder auf, die es von ihren eigenen Eltern offenbar noch nie gehört haben: Jeder darf anziehen, was er will und was ihm gefällt. Dies ist ein freies Land. Ist das nicht toll?

 

Mit Menschen, die wir nicht verstehen, gehen wir leider oft nur auf zwei Weisen um: Entweder, wir bewundern sie, wie wissenschaftliche Genies oder exzentrische Popstars – oder aber wir belächeln oder verspotten sie. Fehlende Toleranz, fehlende Menschlichkeit und engstirnige Weltsichten führen dazu, dass wir unseren Kindern vorleben, anders zu sein wäre falsch.

Dieses Kinderbuch ist in Zeiten von Cybermobbing nötiger denn je, denn auch in unserer liberalen und demokratischen Gesellschaft bilden sich Grüppchen, überleben Klischees, haftet man schon den Kleinsten irgendwelche Zwänge an, denen sie gefälligst gerecht werden sollen, um ins Bild zu passen. Aber wa für ein Bild soll denn das sein? Wir jedenfalls wünschen uns ein buntes, fröhliches Bild unserer Gesellschaft, in der Farben für alle da sind. Wir wünschen uns Väter, wie Felix‘ Papa, die zu ihrem Kind stehen und es unterstützen, wenn es gegen den Strom schwimmt und seine Rechte wahrnimmt.

Die Zeichnungen und die Brüche im Erzählfluss sind etwas gewöhnungsbedürftig, aber gerade dadurch wird dieses Kinderbuch keines, das man einfach so herunterliest. Es bietet Raum zur Reflexion.

Altersempfehlung: 5-7 Jahre
Vorlesezeit: 10-12 Minuten

Daten zum Buch „Der Junge imRock“

Titel: Der Junge im Rock
Autor: Kerstin Brichzin, Igor Kuprin
Verlag: minedition
Jahr/Auflage: 2018

ISBN: 978-3865663283

Der Junge im Rock

KriteriumBewertung (1-10)Begründung
Punkte gesamt10
Titelwahl10
Aufmachung9gebunden, hochwertig verarbeitet,festeres Papier
Die Zeichnungen von Igor Kuprin sind eigen, insbesondere die Gesichter der Figuren wirken abstrakt
ungewöhnlich für ein Bilderbuch
Text/Sprache9Der Text ist groß gedruckt und Erstleserfreundlich, allerdings verwirren die scharfen inhaltlichen Brüche, denen man nicht sofort folgt.
Ortswechsel geschehen einfach und werden nicht erwähnt.
Inhalt10Felix ist ein ganz normaler Junge, der eben einfach gerne Röcke trägt. Als die Familie in eine Kleinstadt zieht, wird Felix' Kleidungsstil plötzlich zum Problem. Er wird verpottet und ausgeschlossen. Da fasst Papa einen besonderen Entschluss: Er kauft sich auch einen Rock. Denn gemeinsam macht das anders sein wieder Spaß und führt den Spöttern ihre unsinnigen Ansichten vor Augen.
Pädagogische Themen10Anders sein
Mut
Liebe
Familie
Mobbing
Pädagogischer Wert10Felix darf Röcke tragen. Seine Familie ist offen und freundlich. Den unverständigen und unfreundlichen Menschen wird hier aber auf eine besondere und aufklärende Weise begegnet. Der Halt, den Felix in seiner Familie bekommt, ist Gold wert auf seinem Weg, er selbst zu bleiben.
Schlüssigkeit/Logik10
Kreativität10