Der kleine Waschbär Waschmichnicht

Der kleine Waschbär Waschmichnicht, Britta Sabbag, Igor Lange

Unser Grundstück ist im Herbst immer ein einziges Schlammloch. Spätestens, wenn die Matschpfützen so tief sind, dass der Dreck die Oberkante der Gummistiefel überschreitet, herrscht bei uns Duschpflicht. Warum nur mögen kleine Kinder Schmutz aber so viel lieber, als Waschwasser? Oder kommt uns das nur so vor?

Kurzrezension

Waschmichnicht ist der Name des kleinen Waschbären, der uns in diesem Bilderbuch begegnet. Jeden Morgen ruft Mama Waschbär ihn fröhlich zum Bade. Doch Waschmichnicht will sich nicht waschen. Er findet klares Waschwasser überhaupt nicht herrlich.

Mama meint,er müsse sich waschen, sogar gerne, wie es eben alle richtigen Waschbären tun. Waschmichnicht gerät ins Zweifeln: Vielleicht ist er ja gar kein richtiger Waschbär? Er möchte nun einmal nicht ins Wasser. Lieber rennt er hinaus in die Welt und versteckt sich.

Seine Verstecke sind tatsächlich nicht sehr waschbärenhaft. So landet er in einer Schweinesuhle und im Misthaufen vom Pferd, in einer Mülltonne und auf einem Ameisenhaufen. Und jeden Abend kehrt er noch ein bisschen schmutziger heim und hört Mama Waschbär mahnend sagen: „Morgen nimmst du ein extragroßes Bad!“

Irgendwie stinkt und juckt es dem kleinen Waschbären dann aber doch. Und als ihn ein Stinktier sogar für seinesgleichen hält, da möchte der kleine Waschbär doch lieber ein Bad nehmen. Und siehe da: Das Waschwasser vom Fluss ist überhaupt nicht gräßlich sondern wunderbar. Dem Waschbären macht das Baden Spaß. Er ist wohl wirklich ein richtiger Waschbär.

 

Gleich zwei große Themen werden hier berührt, die kleine Kinder unter Druck setzen können: Hygieneregeln und Identitätsfindung. Die Frage, ob etwas mit einem nicht richtig sei, ob man vielleicht gar nicht so recht dazu passt zu den anderen Waschbären, weil man eben ganz anders empfindet, als es von einem erwartet wird, kann schwer auf kleinen Schultern lasten. Viel zu oft huscht uns Erwachsenen ein „Das macht man aber so“ über die Lippen, mit dem wir den Kindern suggerieren, sie seien irgendwie nicht ganz richtig. „Denn ein richtiger Waschbär wäscht sich nunmal für sein Leben gern.“

Über den eigenen Körper selbst entscheiden zu dürfen ist nicht jedem so vergönnt, wie Waschmichnicht. Zwar mahnt auch seine Mutter jeden Morgen und suggeriert, ein Waschbär liebe ein Bad. Aber immerhin zwingt sie ihn nicht. Waschmichnicht kann selbst herausfinden, dass Baden eine tolle Sache ist, die Spaß macht. Nichtzu fassen: Mama hatte ja Recht damit. Und als erwachsener Vorleser erinnert man sich bei dieser Geschichte daran, dass man eben manchmal auch einfach etwas Zeit braucht, um selbst herauszufinden, was gut für einen ist.

 

Altersempfehlung: 3-6 Jahre
Vorlesezeit: 5-7 Minuten

Daten zum Buch „Der kleine Waschbär Waschmichnicht“

Titel: Der kleine Waschbär Waschmichnicht
Autor:  Britta Sabbag, Igor Lange
Verlag: arsEdition
Jahr/Auflage: 2019

ISBN: 978-3845825380

Der kleine Waschbär Waschmichnicht

KriteriumBewertung (1-10)Begründung
Punkte gesamt10
Titelwahl10
Aufmachung10Hardcover, fröhliche bunte Zeichnungen, niedliche Figuren
Text/Sprache9Der Text arbeitet mit sehr vielen Wiederholungen. Er ist ansich einfach formuliert, bis auf die zeitweise vielen Adjektive und "waschechten" Zungenbrecher. Durch sie gestaltet sich das Vorlesen durchaus als Herausforderung.
Inhalt9Waschmichnicht ist sich nicht sicher, ob er wirklich ein richtiger Waschbär ist. Denn Mama meint, richtige Waschbären waschen sich gerne. Waschmichnicht aber mag nicht baden. Stattdessen macht er sich so richtig schmutzig. BIs es ihm irgendwann doch selber stinkt.
Pädagogische Themen10Familie
Regeln
Bräuche
Identität
anders sein
Pädagogischer Wert10Waschmichnicht daf selbst herausfinden, dass er sich für sein Leben gerne wäscht.
Schlüssigkeit/Logik-
Kreativität9